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Zukünftige Mediennutzung im privaten Sektor: Nichts bleibt wie es ist?

 
: Zoche, P.

:
Volltext urn:nbn:de:0011-px-424953 (310 KByte PDF)
MD5 Fingerprint: 10066c14d1176b10dbe205619caf55bd
Erstellt am: 04.10.1999


Südwestrundfunk -SWR-, Baden-Baden:
Information - Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Sommerakademie 1998
1999
10 S.
Baden-Badener Sommerakademie <1998, Baden-Baden>
Deutsch
Konferenzbeitrag, Elektronische Publikation
Fraunhofer ISI ()

Abstract
Der Beitrag gibt einen knappen Überblick über die Ergebnisse der Expertenbefragung Mediennutzung der Zukunft im privaten Sektor, die das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) zwischen Ende Februar 1998 und Anfang April 1998 bei einem definierten Expertenpool aus der Wirtschaft, insbesondere dem Mediensektor (zum Beispiel Hersteller von Informations- und Kommunikationstechnik, Netzbetreiber, Provider), der Politik (Legislative und Exekutive), aus der Wissenschaft (Hochschulen, Forschungseinrichtungen) sowie unter gesellschaftlichen Repräsentanten (zum Beispiel Gewerkschaften, Verbände, Kirchen) durchgeführt hat. Mit 290 ausgefüllten Fragebögen wurde eine Brutto-Rücklaufquote von 54 Prozent erreicht. Die Umfrage ermittelt Einschätzungen zum zukünftigen Verlauf der Medienentwicklung und zu Visionen der Mediennutzung. Zeithorizonte sind die Jahre 2005 und 2015.

Die Einschätzung der künftigen Ausgabenentwicklung für Medien- und Telekommunikationsnutzungen in deutschen Haushalten ergibt einen eindeutigen Trend. Ausgehend von den monatlichen Ausgaben des Jahres 1995 lassen die Ergebnisse der Umfrage mehr als eine Verdoppelung der Ausgaben in einer zwanzigjährigen Zeitspanne erwarten.

Der relative Anteil elektronischer Mediennutzungen an den Gesamtaufwendungen für Medien- und Telekommunikationsanwendungen wird von 50 Prozent im Jahr 1995 auf 71 Prozent im Jahr 2015 ansteigen.

Den Steigerungsraten bei den Haushaltsaufwendungen für die Nutzung elektronischer Medienangebote entsprechen wachsende Investitionsausgaben für Geräte der Unterhaltungselektronik (Fernseh-, Radio- und Phono-Geräte), der Informationselektronik (Computer-Hardware und -Software) sowie Kommunikationselektronik (Telefon, Fax etc.).

Mehrheitlich - zu mehr als zwei Dritteln - vertreten die Medienexperten die Auffassung, daß wir auch im Jahre 2015 überwiegend sowohl den Personalcomputer als auch den Fernseher als eigenständiges Gerät nutzen werden.

Das seit Jahren bestehende Anwachsen der durchschnittlichen monatlichen Telefonnetzgebühren in bundesdeutschen Haushalten wird sich trotz erheblicher Preissenkungen fortsetzen.

Die relative Bedeutung der heutigen Massenkommunikationsmedien Hörfunk und Fernsehen (jeweils etwa 40 Prozent des Medienzeitbudgets) wird sich innerhalb des Zeitraums bis zum Jahre 2015 verringern (auf 33 Prozent im Hörfunk- und 35 Prozent im Fernsehbereich für das Jahr 2015).

Der heute mit rund 14 Prozent zweite wichtige Medienbereich neben Hörfunk und TV also die klassischen "alten" Medien Buch, Zeitung, Zeitschriften - wird sich auf einen verringerten Zeitanteil von wenig über 11 Prozent am Gesamtmedienbudget einpendeln (2015).

Bei der Nutzung von Tonträger-Angeboten werden leichte Steigerungen der Mediennutzungszeiten angenommen (von 3 Prozent im Jahr 1995 auf 3,7 Prozent im Jahre 2015).

Starke Gewinne werden hingegen bei der Online-Dienste- und PC-Nutzung vorausgesagt, die sich 1995 lediglich bei rund 3 Prozent bewegte. Die Experten schätzen, daß für diese Medien ein Anteil am Medienzeitbudget von 17,5 Prozent im Jahre 2015 angenommen werden kann.

Folgt man den Einschätzungen der befragten Experten, so wird zunehmend eine größere Netzvielfalt in Anspruch genommen werden. Besonders ausgeprägte zusätzliche Nachfrage wird beispielsweise bei Online-Anwendungen den neuen ATM-Kabelnetzen zugute kommen. Bei der Nutzung digitaler Angebote wird ein vergleichsweise langer Einführungsprozeß erwartet.

Zentrale Anforderungen zur Verbesserung der (gegenwärtigen) Medienangebote liegen in der unmittelbaren Unterstützung des Nutzers. Die befragten Experten stellen eindeutig die Relevanz des Nutzungskontextes für eine Kauf beziehungsweise Nutzungsbereitschaft von neuen Medienprodukten und -diensten heraus. Obenan auf der Anforderungsliste steht dabei die hard- und softwaretechnische Optimierung mit dem Ziel, bestehende Wartezeiten bei Abruf/Abwicklung von Medienangeboten zu verkürzen. Im direkten Vergleich neuer mit konventionellen Medien werden die Aktualität der vermittelten Informationen, die größere zeitliche Flexibilität sowie die Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit der vermittelten Informationen als zentrale Kriterien der Kauf- beziehungsweise Nutzungsbereitschaft genannt.

: http://publica.fraunhofer.de/dokumente/PX-42495.html