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Europäischer Hamster - ein potentielles Tiermodell für die Zahnmedizin

Abstract
 
: Kunstyr, I.; Ernst, H.; Merkt, M.; Reichart, P.

Deutsche Tierärztliche Wochenschrift 94 (1987), S.325-326
ISSN: 0341-6593
Versuchstierkundliches Kolloquium <1986, Hannover>
Deutsch
Konferenzbeitrag
Fraunhofer ITA ( ITEM) ()
Hamsters

Abstract
Bei vorangegangenen Untersuchungen wurde eine ungewöhnliche Häufigkeit von Malokklusionen der Schneidezähne bei Hamstern, insbesondere bei Feldhamstern (etwa 12% der untersuchten Tiere), festgestellt (Kunstyr, 1985). Davon unabhängigwurden zwei ähnliche dysplastische Prozesse an den maxillaren Schneidezähnen bei dieser Tierart beschrieben (Althoff et al, 1985,1986). Eine darauffolgende Studie zwischen Januar 1985 und Mai 1986 sollte den vermuteten Zusammenhang zwischen dem Gebißfehler und den Dysplasien bestätigen. Im Rahmen dieser Studie wurden 71 laborgezüchtete Feldhamster (Cricetus cricetus) des Zentralen Tierlabors der MHH im Alter zwischen 2 und 57 Monaten mit einem Körpergewicht von 111 bis 602 g ausführlich untersucht. Der Sekt ion (n=71) folgte eine histologische (n=63), eine allgemein bakteriologische (n=71) und eine speziell-bakteriologische Untersuchung von strikten Anaerobiern (n=14). Neben den bereits früher beschriebenen Formen der Dysplasie von maxillaren Schneidezähne n, der odontogenen (Häufigkeit 58,7%) und der zemento-fibösen (35,0 %) wurden bei diesem Tierkollektiv die Malokklusion der Schneidezähne in 39,4% der Fälle und bis sahin nicht beschriebene eitrigen Prozesse ( Osteomyelitis des Unt-bzw. Oberkiefers - 42,2%; Rhinitis - 25,3 %) festgestellt. Durch statistische Auswertung gelang keine eindeutige pathogenetische Zuordnung eines der vorhandenen pathologischen Prozesse zu der vorhandenen Makklusion. Der Gebißfehler hat offensichtl ich keine monokausale Ätiologie; die pathologischen Prozesse haben sich "überlappt", es sind mehrere gleichzeitig bei eine und demselben Tier aufgetreten. Dagegen konnte nachgewiesen werden, daß drei Bakterienarten bzw. Gruppen signifikant häufig mit den beiden eitrigen Prozessen einhergehen. Es sind die sog. Pasteurella pneumotropica (die Bakterienart bekommt demnächst eine neue taxonomische Zuordung) sowie Anaerobier ( Fusobacterium sp. und Peptostreptococcus sp.). Da die Osteomyelitis und die Makklusion auch bei m Menschen vorkommen, da die strikten Anaerobier der Gattung Fusobacterium aus den eitrigen Prozessen im Zahnbereich des Menschen häufig isoliert wurden und da die dysplastischen Prozesse beim Feldhamster und Menschen Ähnlichkeiten aufweisen, erscheint es als naheliegend, den Feldhamster als Modelltier für die zahnärztliche Forschung vorzuschlagen. Als auslösende Momente der häufigen pathologischen Prozesse am Ober- und Unterkieferbeim Feldhamster werden angenommen: (1) Mikrotraumatisierung durch Futterteile, (2) Mikrotraumatisierung durch auffällig häufiges "Knabbern" am Käfigdrahtdeckel, (3) genetische Faktoren. Als möglicher zusätzlicher Faktor: die Zusammensetzung der bakteriellen Mundflora, d.h. möglicherweise häufiges Auftreten potentieller Eitererreger, wie z.B. Fusobacterium, im Vergleich zu anderen Versuchsnagern.

: http://publica.fraunhofer.de/dokumente/PX-13199.html