Fraunhofer-Gesellschaft

Publica

Hier finden Sie wissenschaftliche Publikationen aus den Fraunhofer-Instituten.

Beitrag zur Ermittlung von Verpackungssystemkosten unter besonderer Berücksichtigung gemischter Ladeeinheiten

 
: Wagner, M.
: Ten Hompel, M.

Dortmund: Verlag Praxiswissen, 2007, VII, 257 S.
Zugl.: Dortmund, Univ., Diss., 2006
Logistik für die Praxis
ISBN: 3-89957-049-9
ISBN: 978-3-89957-049-6
Deutsch
Dissertation
Fraunhofer IML ()
Verpackung; Verpackungssystemkosten; Ladeeinheit; Transportverpackung; Verpackungskosten; Lieferkette; Lebensmittel(frisch); Ladeeinheit

Abstract
Zur Marktversorgung mit frischen Lebensmitteln in Deutschland kommen mehr als eine Milliarde Transportverpackungen jährlich zum Einsatz. Ihre Distribution im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) weist in verpackungslogistischer Hinsicht Besonderheiten auf. Regelmäßig stehen sich technisch gleichwertige Verpackungsalternativen gegenüber. Soll in diesem Fall eine rationale Verpackungsentscheidung getroffen werden, ist Transparenz über sämtliche von der Verpackung verursachten Kosten erforderlich. In Anlehnung an das Konzept des Supply Chain Management fordert der Stand der Wissenschaft in Bezug auf eine ökonomische Beurteilung von Verpackungen, dass diese unternehmensübergreifend entlang der gesamten Lieferkette erfolgt. Bestehende Ansätze in der Literatur greifen diese Forderung auf. Sie beschränken sich in ihrem Bewertungsgegenstand jedoch auf die einzelne Transportverpackung. Wechselwirkungen innerhalb des Verpackungssystems, welche sich im Rahmen der auftragsbezogenen Kommissionierung zwischen aufeinander treffenden Verpackungen oder zwischen diesen und dem Ladungsträger ergeben, werden nicht berücksichtigt. Demgegenüber verfolgt die vorliegende Arbeit das Ziel der in logistischer und ökonomischer Hinsicht vollständigen Bewertung von Verpackungen in solchen Teilen der Lieferkette, die als gemischte Ladeeinheiten durchlaufen werden.
Hierfür schließt sich an die Abgrenzung des Stands der Wissenschaft im 3. Kapitel eine Analyse der Interaktion unterschiedlicher Verpackungen im Rahmen der Bildung gemischter Ladeeinheiten an. Ferner wird der Begriff der Verpackungssystemkosten hergeleitet sowie ein Konzept der produktionsfaktorbezogenen Verrechnung von Einzelkosten entwickelt. Damit liegt ein geschlossenes Verfahren zur Ermittlung von Verpackungssystemkosten vor, welches zur Grundlage für das in Kapitel 6 aufgestellte mathematische Modell wird. Mit dem Ziel, die identifizierten Beziehungen und Wechselwirkungen innerhalb von gemischten Ladeeinheiten einer Bewertung zugänglich zu machen, wird in Kapitel 4 das Konzept der Interoperabilität der Verpackung eingeführt. Eingehend untersucht wird in diesem Zusammenhang die Schnittstelle zwischen zwei Verpackungen. Auf dieser Systematisierung aufbauend erfolgt die Definition der drei Parameter ISO-Modulgrad, Kompatibilitätsgrad und Schwachstellengrad, mit deren Hilfe der Systemzustand des Verpackungssystems im Hinblick auf die Interoperabilität der Verpackungen beschrieben werden kann. In Kapitel 5 wird die Wirkung der Interoperabilität von Verpackungen auf (i) die Volumennutzung, (ii) die Durchlaufzeit bei der Kommissionierung und (iii) die Stabilität von gemischten Ladeeinheiten empirisch nachgewiesen. Abschließend werden die gewonnen Erkenntnisse in ein mathematisches Erklärungsmodell umgesetzt. Damit liegt ein Instrument vor, mit dessen Hilfe die Verpackungssystemkosten in der Praxis berechnet werden können.
Zusammenfassend zeigt diese Arbeit, dass bei der Bewertung von Transportverpackungen mit dem Ziel der Verpackungsentscheidung zwingend ein Systemansatz zu verfolgen ist. Speziell für gemischte Ladeeinheiten ist eine Konkretisierung dieser Forderung mit Hilfe des in dieser Arbeit entwickelten Konzepts der Interoperabilität von Verpackungen möglich und sinnvoll. Die Anwendung des aufgestellten Referenzmodells bringt Transparenz in einen Kostenblock, der vormals vollständig in den Gemeinkosten enthalten war und somit in eine Verpackungsentscheidung nicht einfließen konnte.

 

More than one billion transport packagings are required to supply Germany with fresh groceries each year. Their distribution in the retail supply chain shows special characteristics in terms of packaging logistics. In many cases technically equivalent packagings rival each other during the packaging decision. A rational packaging decision requires transparency over all costs determined by the chosen packaging. Referring to the concept of supply chain management (SCM) the state of the scientific and technical knowledge claims an economic evaluation of transport packagings to cover the entire respective supply chain beyond the border of a single company.
Existing approaches in literature follow this demand. However they limit their scope to one single transport packaging at a time. Interdependencies within the packaging system, occurring mainly between different packagings as well as between packagings and load carriers at the moment of order picking are not dealt with.
In contrast this work aims to fully evaluate packagings in those parts of a supply chain that are passed through as mixed unit loads. Therefor chapter 3 analyses the interaction of different packagings within mixed unit loads. Later on, the term packaging-system-cost is defined and a concept of "factor of production"-based allocation of direct expenses is developed. Together, this builds a consistent method for the calculation of packaging-system-cost which forms the basis of the mathematical model set-up in chapter 6. In order to describe in quantitative terms the identified interdependencies of packagings within mixed unit loads chapter 4 introduces the concept of interoperability of transport packagings. The interface between two packagings centres the analysis. Based on this systematisation is the definition of the following three parameters: degree of ISO-modularity, degree of compatibility and degree of vulnerability. With the help of these parameters the state of the packaging systems can be described. Chapter 5 provides empirical evidence for the effects of the interoperability of packagings on (i) cube-utilisation, (ii) lead time for order picking processes and (iii) stability of mixed unit loads. Eventually the findings of chapter 3, 4 and 5 are transferred into a mathematical explanatory model forming an instrument which allows calculating packaging-system-cost in practice.
Summarizing, this dissertation shows that the economic evaluation of transport packagings ultimately requires a systems approach. Especially for mixed unit loads, the concept of interoperability of transport packagings developed in this work fulfils this requirement. The reference model based on this concept makes costs become transparent which have so far been overhead expenses and thus could not affect a packaging decision.

: http://publica.fraunhofer.de/dokumente/N-57702.html