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Zur Diskussion: Stand der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen

For discussion: The state of digitization of the German healthcare system
 
: Caumanns, J.

:

Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen 143 (2019), S.22-29
ISSN: 1865-9217
Deutsch
Zeitschriftenaufsatz
Fraunhofer FOKUS ()

Abstract
Der Stand der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens wird häufig als unbefriedigend gekennzeichnet. Diese beschönigende Einstufung suggeriert ein Umsetzungsproblem. In Wirklichkeit sind die Probleme jedoch bereits in der Struktur des deutschen Gesundheitswesens zu finden, das sowohl die Etablierung einer übergreifenden eHealth-Governance als auch die nachhaltige Durchsetzung von Ansätzen einer Digitalisierung faktisch unmöglich macht. Akteure, die eine Digitalisierung vorantreiben könnten, sind entweder zu schwach organisiert (Patienten) oder technisch nur bedingt anschlussfähig (Krankenhäuser). Durch die Fokussierung auf ambitionierte Großprojekte bei gleichzeitig essentiellen Problemen der Interoperabilität und der Governance werden pragmatische Lösungen im Kleinen blockiert und vielfältige Legitimationen für ein Nicht-Handeln geschaffen. In mobilen Gesundheits-Apps kumulieren Probleme und Lösungsansätze. Die Frage ist nur, ob am Ende die Beharrungskräfte des deutschen Gesundheitswesens auch die amerikanischen Internet-Giganten in die Lethargie stürzen oder ob diese durch Nutzwerte und nutzbare Anwendungen die Datenhoheit im deutschen Gesundheitswesen übernehmen.

 

The state of digitization of the German healthcare system has often been characterized as unsatisfactory. This euphemistic classification suggests a problem of implementation. In reality, however, the problems lie much deeper in the structure of the German healthcare system, which makes both the establishment of a comprehensive eHealth governance and the sustainable implementation of digital transformation virtually impossible. Actors that could promote digitization are either not well organized (patients) or have got stuck in the last century technologically (hospitals). Focusing on ambitious large-scale projects while at the same time facing essential problems of interoperability and governance, pragmatic solutions on a small scale are blocked and multiple legitimations for non-action are created. In mobile health apps, problems and solutions accumulate. The only question is whether in the end the persistence forces of the German healthcare system will plunge the American internet giants into lethargy or whether these will take over data sovereignty in the German healthcare system through useful and usable applications.

: http://publica.fraunhofer.de/dokumente/N-558538.html