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ELAB 2.0. Wirkungen der Fahrzeugelektrifizierung auf die Beschäftigung am Standort Deutschland. 2. Auflage

Abschlussbericht, 15. November 2018. Projektlaufzeit: 01.04.2017-30.06.2018
 
: Bauer, Wilhelm; Riedel, Oliver; Herrmann, Florian; Borrmann, Daniel; Sachs, Carolina; Schmid, Stephan; Klötzke, Matthias

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Volltext urn:nbn:de:0011-n-5313834 (3.2 MByte PDF)
MD5 Fingerprint: 1b5281ad40d361f3e64a24e79a6c6b19
Erstellt am: 26.1.2019


Stuttgart: Fraunhofer IAO, 2019, 100 S.
Deutsch
Studie, Elektronische Publikation
Fraunhofer IAO ()
Elektromobilität; Beschäftigung; Fahrzeugelektrifizierung; Standort Deutschland

Abstract
Die Automobilindustrie steht derzeit vor dem größten Umbruch ihrer Geschichte. Drei Megatrends fordern sie heraus und werden sie verändern: Die fortschreitende Globalisierung, die zunehmende Digitalisierung und die Notwendigkeit zur Dekarbonisierung. Für Deutschland ist das von besonderer Bedeutung. Denn die Automobilindustrie ist eine Schlüsselindustrie seiner Volkswirtschaft. Sie beschäftigt fast 840 000 Menschen. Mindestens ebenso viele Arbeitsplätze im Land sind indirekt von ihr abhängig. Deshalb ist es wichtig, wissenschaftlich fundiert abzuschätzen, welche Auswirkungen die bevorstehenden Veränderungen in der Automobilindustrie auf die Beschäftigung am Standort Deutschland voraussichtlich haben werden. Die Kenntnis dieser Auswirkungen ist erforderlich, um den Strukturwandel erfolgreich zu gestalten. Die vorliegende Studie ELAB 2.0 hat zum Ziel, diese Auswirkungen zu ermitteln. Sie knüpft an die 2012 publizierte Vorgängerstudie ELAB an, geht aber von aktualisierten Voraussetzungen aus und bezieht im Gegensatz zu dieser Zulieferunternehmen in die Betrachtung ein. Sie konzentriert sich auf den Megatrend der Dekarbonisierung und speziell den daraus resultierenden Markthochlauf der Elektromobilität, denkt dabei die Konsequenzen der Globalisierung und Digitalisierung in ihren Analysen aber implizit mit. Als eine Konsequenz der Globalisierung ist z. B. deren Einfluss auf die Automobilproduktion in Europa zu bedenken. Dort führt die Marktsättigung zu einer Stagnation der Fertigungsmengen, während europäische Hersteller von steigenden Produktionszahlen in wachsenden Märkten wie Indien oder China kaum profitieren, weil die Produktion dort zunehmend vor Ort erfolgt. Hinzu kommen der Druck auf deutsche Standorte durch den Wettbewerb mit Niedriglohnländern sowie zunehmende protektionistische Tendenzen. Die Digitalisierung wird sowohl die Produktion als auch die Produkte der Automobilindustrie grundlegend verändern. In der Produktion hat sie eine vierte industrielle Revolution ausgelöst – bekannt unter dem Stichwort »Industrie 4.0«. Diese Revolution wird die Produktion flexibilisieren, an die individuellen Bedürfnisse von Kunden und Geschäftspartnern anpassen und um hochwertige Dienstleistungen ergänzen können. »Arbeit 4.0« wird flexibler und dezentraler ablaufen als heute. Sie wird neue Qualifikationen erfordern, was nicht zum Abbau von Arbeitsstellen führen muss. Insgesamt wird »Produktion 4.0« die Innovationszyklen beschleunigen und Produktivitätsfortschritte garantieren. Die Digitalisierung der Fahrzeuge andererseits wird schon in absehbarer Zeit automatisiertes und autonomes Fahren ermöglichen. Verbunden mit der intelligenten Verknüpfung von Fahrzeugen mit den Infrastrukturen des Straßenverkehrs und der Energieversorgung werden sich daraus völlig neue Formen der Mobilität entwickeln. Das eröffnet der Automobilindustrie neue Perspektiven der Wertschöpfung. Besonders akut ist aber die Notwendigkeit zur Dekarbonisierung. Sie leitet sich in erster Linie aus dem Klimaschutzabkommen ab, das die internationale Staatengemeinschaft im Dezember 2015 in Paris beschlossen hat. Es zielt auf die rasche und verbindliche Reduktion von Treibhausgas-Emissionen ab. Die Automobilindustrie ist davon deshalb betroffen, weil der Straßenverkehr im Jahr 2017 gemäß Statistik der IEA rund 18 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verursacht. In Europa ist der Transportsektor der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgas-Emissionen. Die Europäische Union (EU) schreibt aus diesem Grund schon heute Grenzwerte der CO2-Emissionen vor, die die Hersteller im Durchschnitt ihrer gesamten Flotte für jedes Fahrzeug einzuhalten haben. Diese Grenzwerte sollen nach 2020 weiter verschärft werden. Um sie nicht zu überschreiten und hohe Strafzahlungen zu vermeiden, müssen die Hersteller neben den herkömmlichen Verbrennungsfahrzeugen mit Benzin- oder Dieselmotor (Internal Combustion Engine Vehicle = ICEV) nach momentanem Stand der Regulierung immer mehr rein batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge (Battery Electric Vehicle = BEV) produzieren. Hybridfahrzeuge, die sowohl über einen Verbrennungsmotor als auch über eine an einer Steckdose aufladbare Batterie verfügen (Plug-in-Hybrid Electric Vehicle = PHEV), können ebenfalls dazu beitragen, Emissionen zu reduzieren.

: http://publica.fraunhofer.de/dokumente/N-531383.html