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Die angemessene Evidenz für Therapieentscheidungen: eine Diskussion des Methodenpluralismus in klinischen Studien

Adequate Evidence for Treatment Decisions: a Discussion of the Pluralism of Methods in Clinical Trials
 
: Radic, D.; Porzsolt, F.; Bausch, J.; Geipel, G.; Huppertz, E.; Mühlbacher, A.; Otto, T.; Schmidt, P.; Ravens-Sieberer, U.; Zimmermann, T.M.; Clouth, J.

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Gesundheitsökonomie & Qualitätsmanagement 18 (2013), Nr.1, S.31-39
ISSN: 1432-2625
ISSN: 1439-4049
Deutsch
Zeitschriftenaufsatz
Fraunhofer MOEZ ( IMW) ()

Abstract
Die randomisierte kontrollierte Studie (RCT) gilt als Goldstandard zur Gewinnung angemessener Evidenz für Therapieentscheidungen. Idealtypische Studien werden auch als Explanatory Trials bezeichnet, um sie von Studien unter Alltagsbedingungen (Pragmatic Trials) zu unterscheiden. Bei Einhaltung aller für die Durchführung dieser Studien geforderten Qualitätskriterien können die vier wesentlichen Formen systematischer Fehler (Selection Bias, Performance Bias, Attrition Bias und Detection Bias) vermieden und die interne Validität von Studien gewährleistet werden. Wenn die interne Validität einer Studie bestätigt wird, ist davon auszugehen, dass die innerhalb der Studie angestellten Vergleiche weitgehend frei von systematischen Fehlern sind. Die externe Validität besagt, dass in einer Studie di e Eigenschaften der Grundgesamtheit reflektiert werden, für welche die Ergebnisse der Studie gültig sein sollen. Da eine gute randomisierte Studie eine möglichst exakt definierte und homogene Population von Probanden enthält, kann sie per definitionem nahezu keine externe Validität, d. h. externe Gültigkeit, haben. Der Nachweis der externen Validität ist aber ebenso bedeutend wie der Nachweis der internen Validität, weil Erkenntnisse, die in randomisierten Studien gewonnen werden, nur wertvoll sind, wenn sie auch bei Patienten unter Alltagsbedingungen mit Erfolg angewandt werden können. Eine Verletzung dieser letztgenannten Forderung wird auch als Sampling Bias bezeichnet. Zur Gewährleitung der internen und externen Evidenz scheint ein Zwei-Schritt-Verfahren sinnvoll. Im ersten Schritt wir d die Wirkung eines Therapieprinzips idealtypisch in einem Explanatory Trial ohne Anspruch auf externe Validität nachgewiesen. Im zweiten Schritt wird der Nutzen für die untersuchten Patientengruppen unter Alltagsbedingungen (Pragmatic Trial) geprüft. Designs und etablierte Methoden zur Auswertung dieser Studien werden diskutiert. Das Zwei-Schritt-Verfahren bietet gegenüber den bisherigen Verfahren drei Vorteile: Das Risiko, die Ergebnisse von RCTs zu überinterpretieren, wird reduziert, weil Explanatory Trials lediglich die Wirkung unter Idealbedingungen nachweisen können. Der vom Gesetzgeber geforderte Nachweis des Nutzens kann durch Pragmatic Trials, welche die externe Validität berücksichtigen, erbracht werden. Möglicherweise lassen sich Fortschritte des Erkenntnisgewinns nur erzielen, wenn in kontrollierten pragmatischen Studien Methoden angewandt werden, bei denen der Einfluss der beabsichtigten Intervention (Therapie) mit jenem unbeabsichtigter Interventionen (Confounder) verglichen wird. Beispiele solcher Methoden sind das Propensity Score Matching und Strukturgleichungsmodelle. Die Entscheidung über die ideale Auswertungsmethode ist von den Bedingungen und den Variablen der Studie abhängig.

 

Randomized controlled trials (RCTs) are considered gold standard in generating judicious evidence to support treatment decisions. Ideal-typical trials are called explanatory trials to distinguish it from trials completed under real-world conditions. The four most prevalent types of bias (selection-, performance-, attrition-, and detection-bias) can be avoided and internal val idity of a study can be increased if all requested quality criteria will be met. The external validity can be neither investigated not can it be confirmed by randomized trials. But the confirmation of external validity is as important as the confirmation of internal validity because knowledge that has been generated in RCTs will be valuable only if it can be successfully applied to patients under real-world conditions. For confirmation of external validity the mentioned four types of bias have to be avoided. In addition, it has to be confirmed that the individuals from whom the evidence was derived are comparable to the individuals to whom the evidence should be applied. Violation of this simple appearing requirement is called sampling bias. A two-step procedure seems to be useful to con firm internal as well as external evidence. As first step the efficacy of a therapeutic principle may be confirmed under ideal study conditions by using an explanatory trial without demanding the confirmation of external validity. In a second step the benefit for the investigated group of patients is examined under real-world conditions (pragmatic trial). The design and established methods for evaluation of these studies are discussed. The two-step approach offers three advantages: it reduces the risk to over-interpret the results of RCTs as explanatory trials can only demonstrate efficacy under ideal conditions. The benefit which is requested by our authorities can be demonstrated only by pragmatic trials which consider the external validity. Progress may possibly achieved only if control led pragmatic trials will be used which can compare the influence of the intended (specific treatment effect) intervention with not-intended (confounder) interventions. Examples for these methods are the propensity score matching or structural equation models.

: http://publica.fraunhofer.de/dokumente/N-512735.html