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Sozioökonomische Ansätze zur Bewertung und Kommunikation von Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit der Wasserversorgung

Förderkennzeichen: 13N10625 im Verbundprojekt Schutz der Trinkwasserversorgung im Hinblick auf CBRN Bedrohungsszenarien. Phase 1: Konzeption und Strukturierung der Elemente des Risikomanagement-Ansatzes. Phase 2: Grundlegende Untersuchungen zur beispielhaften Umsetzung der Elemente des Risikomanagementansatzes. Schlussbericht zum Teilvorhaben
Socio-economic approaches for evaluation and communication of measures to improve security of water supply. Safeguarding drinking water supply against CBRN threats (STATuS), phase 1 and 2
 
: Hiessl, Harald; Tettenborn, Felix; Gandenberger, Carsten; Lüllmann, Arne; Lüninck, Benedikt von; Peters, Anja

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Volltext urn:nbn:de:0011-n-2777595 (5.3 MByte PDF)
MD5 Fingerprint: 1dcaf38c630b4823d91a44c6bb4a63bc
Erstellt am: 11.2.2014


Karlsruhe: Fraunhofer ISI, 2013, VII, 294 S.
Deutsch
Bericht, Elektronische Publikation
Fraunhofer ISI ()
CBRN; Anschläge; Trinkwasserversorgung; Wasserinfrastruktur; stilisierte netztopologische Grundstrukturen; Kosten-Wirksamkeitsanalyse; volkswirtschaftliche Kaskadeneffekte; Akzeptanz von Maßnahmen; Risikokommunikation; Krisenkommunikation; attack; drinking water supply; water infrastructure; stylized topologic basic structures; costeffectiveness analysis; national economic cascading effects; acceptance of measures; risk communication; crisis communication

Abstract
Die leitungsgebundene Versorgung mit hygienisch einwandfreiem Trinkwasser in ausreichender Menge wird in Deutschland als selbstverständliche Infrastrukturmasnahme verstanden. Durch Naturkatastrophen oder Unfälle bzw. durch terroristische Anschläge kann eine Beeinträchtigung der Trinkwasserversorgung aber nicht ausgeschlossen werden. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms "Forschung für die zivile Sicherheit" als Teil der High-Tech-Strategie geförderte Verbundprojekt "Schutz der Trinkwasserversorgung im Hinblick auf CBRN-Bedrohungsszenarien (STATuS)" leistet einen Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit der Bevölkerung bei möglicherweise zu erwartenden bzw. bereits eingetretenen Beeinträchtigungen des Trinkwassers mit chemischen, biologischen und radioaktiven Stoffen (CBRNAgenzien).
Auf der Basis von modellhaften Analysen der Netzstruktur wurden Vorschläge zur strukturellen Verbesserung erarbeitet mit dem Ziel, die Verwundbarkeit des Verteilungsnetzes zu verringern und gleichzeitig das Schadensausmaß bei einer erfolgten Kontamination zu minimieren. Hierbei wurden u.a. im Rahmen einer modellhaften Betrachtung von prototypisch, stilisierten Wasserverteilungsnetzen grundlegende Zielkonflikte bei der Erreichung verschiedener Schutzzielen herausgearbeitet.
Weiterhin erfolgte eine sozioökonomische Betrachtung von Anschlagen auf die Trinkwasserversorgung. Hierbei wird zum einen der zu erwartende volkswirtschaftliche Gesamtschaden modellhaft für beispielhafte Modellregionen nach verschiedenen Anschlagsszenarien abgeschätzt. Insgesamt weisen die Ergebnisse auf eine hohe Bedeutung von Maßnahmen hin, die auf eine Versorgung der Unternehmen des Dienstleistungssektors im Krisenfall ausgerichtet sind.
Bei der vergleichenden Beurteilung der Eignung der in diesem Zusammenhang prinzipiell in Frage kommenden Bewertungsinstrumente zeigte sich, dass die Durchführung einer Kosten- Wirksamkeitsanalyse unter den vorgegebenen Rahmenbedingungen vermutlich die besten Ergebnisse liefern wird, da sowohl die notwendige technologische Expertise als auch die erforderliche gesellschaftliche Legitimität des Bewertungsprozesses berücksichtigt werden kann. Eine Bewertung nicht-monetärere Nutzenbestandteile und von Co-Benefits ist zusätzlich prinzipiell möglich, ebenso das Ranking von Einzelmaßnahmen. Zudem kann durch die direkte Berücksichtigung der Kosten für die Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen die Anschlussfähigkeit an die betrieblichen Entscheidungsprozesse besser gewährleistet werden. Sowohl für die Reaktionsfähigkeit im Krisenfall, als auch für die im Zusammenhang mit Maßnahmen zur Risikoprävention stehenden Entscheidungen ist ein Aufbau entsprechender organisatorischer und personeller Kapazitäten notwendig, der durch gesetzliche oder branchenbezogene Vorgaben konkretisiert werden sollte.
Bei der Erhebung der Risikowahrnehmung und der Akzeptanz von Maßnahmen, für die es jeweils keine objektive Messgröße gibt, zeigte sich, dass Prozesse und Faktoren, die die Wahrnehmung von Laien beeinflussen, - die im Gegensatz zu Experten Heuristiken anwenden und qualitative und kontextuelle Merkmale zur Risikobewertung heranziehen, anstelle einer getrennten Betrachtung von Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß eines Ereignisses sowie einer eindeutigen Ursachenzuordnung und angemessener monetärer Bewertungen von Schaden -, zum Teil auch bei der Betrachtung der Risikowahrnehmung von Akteuren im Wasserbereich einen großen Einfluss haben. Grundsätzlich existiert bei den Akteuren der Wasserversorgung eine große Wahrnehmungsspannweite hinsichtlich unterschiedlicher Risiken für die Trinkwasserversorgung, insbesondere in Bezug auf CBRN-Anschläge. Erfahrungen und Einarbeitung des Akteurs in das Themengebiet spielen hierbei eine wesentliche Rolle. Während bei großen und mittelgroßen Wasserversorgern das Thema "Sicherheit und Risiken der Trinkwasserversorgung" aufgrund von Vorkommnissen unterschiedlichster Art in der Vergangenheit (zum Teil auch in benachbarten Infrastrukturbereichen wie bspw. der Energieversorgung in Mehrspartenunternehmen) i.d.R. starker im Vordergrund steht und entsprechend behandelt wird, ist dieses Thema bei Wasserversorgern bzw. kommunalen Entscheidungsträgern kleinerer Versorgungsgebiete häufig nicht Bestandteil der Agenda.
Vor allem bei Versorgern kleiner Einheiten fehlen häufig Kapazitäten bzw. effektive Unterstützung, um sich detaillierter mit potenziellen Risiken auseinander zu setzen. Das Thema Risiko- und Krisenmanagement ist hier in der Regel Einzelpersonen zugeordnet, die insgesamt kaum Erfahrungen im Umgang mit problematischen Ausnahmesituationen besitzen. Auch aus Sicht von Behörden besteht großer Bedarf, insbesondere kleinere Gemeinden für das Thema zu sensibilisieren und sie beim Aufbau eines angemessenen Risiko- und Krisenmanagements zu unterstützen. Auf Seiten der Behörden selbst kann zudem die Risikowahrnehmung sehr unterschiedlich ausfallen und hängt dabei zum Teil häufig vom individuellen Engagement zuständiger Personen ab.
Neben der Stärkung bzw. Schaffung einer angemessenen Risikowahrnehmung als wichtige Basis für die Akzeptanz und Umsetzung geeigneter Maßnahmen, kann die Akzeptanz durch die Durchführung einer Kosten-Wirksamkeitsanalyse von Maßnahmen erhöht werden. Behörden können unterstützend wirken und die Akzeptanz und Umsetzung von Maßnahmen fördern, indem sie den Bedarf sowie verschiedene Möglichkeiten im Rahmen der Risikokommunikation aufzeigen und relevante Informationen bereit stellen.
Durch die Sichtung und Analyse der Literatur sowie die Expertenworkshops und -gespräche wurden zentrale Punkte und Faktoren der Risiko- und Krisenkommunikation zu Tage gefördert, die den Verlauf einer Krise (in diesem Falle einen CBRN-Anschlag auf die Versorgungsinfrastruktur) entscheidend beeinflussen können. Es ergaben sich wichtige Hinweise für die Gestaltung des Kommunikationsleitfaden für die verantwortlichen Akteure. Als Ziel des Leitfadens wurde avisiert, den Wasserversorgungsunternehmen und den Behörden einen Überblick und Anregungen zu geben, sie für das Thema "CBRN-Bedrohungsszenarien" zu sensibilisieren und eine kooperative Abstimmung der Akteure hinsichtlich kommunikativer Prozesse anzuregen und zu erleichtern.

: http://publica.fraunhofer.de/dokumente/N-277759.html