Fraunhofer-Gesellschaft

Publica

Hier finden Sie wissenschaftliche Publikationen aus den Fraunhofer-Instituten.

Acceptance of biofuels - requirements and perspectives of conventional and advanced biofuels for the German market

 
: Hoek, Jannis
: Steingrube, Wilhelm; Maga, Daniel

:
Volltext urn:nbn:de:0011-n-2169424 (2.5 MByte PDF)
MD5 Fingerprint: 9ed41b8ff131825923480818ff0a0d2f
Erstellt am: 23.10.2012


Greifswald, 2012, XIII, 89 S.
Greifswald, Univ., Dipl.-Arb., 2012
Englisch
Diplomarbeit, Elektronische Publikation
Fraunhofer UMSICHT Oberhausen ()
biofuel; user acceptance; Market research; renewable energy

Abstract
Die erfolgreiche Implementierung von Produktinnovationen ist maßgeblich von der Akzeptanz der Nutzer abhängig. Dies wird insbesondere am Beispiel des geringen Absatzes von E10 in Deutschland deutlich. Die zugrundeliegende Arbeit befasst sich mit der Marktakzeptanz von konventionellen sowie zukünftigen Biokraftstoffen auf der Basis von Lignocellulose und Algen in Deutschland.
Das Thema ist bislang nur wenig erforscht und ein Modell zur Untersuchung liegt nicht vor. Im Rahmen der Sichtung von zwei Veröffentlichungen zur Akzeptanzforschung, drei Veröffentlichungen zur Akzeptanz von erneuerbaren Energietechnologien sowie zweier Modelle zur Markteinführung von Produktinnovationen wurden daher zunächst der analytische Rahmen sowie zentrale Begriffe definiert. Des Weiteren wurden Zentrale Faktoren der Marktakzeptanz von Biokraftstoffen durch die Literaturrecherche zu diesem Thema bestimmt. Obgleich das Umweltbewusstsein in der deutschen Bevölkerung hoch ist, wurde eine Zurückhaltung gegenüber Biokraftstoffen identifiziert.
Die Sichtung einer Studie zum Umweltbewusstsein in Deutschland und zweier Studien zur Akzeptanz von Biokraftstoffen (in Deutschland) ergab, dass der Preis für den Konsumenten, der Energiegehalt des Kraftstoffs, die Verträglichkeit mit gängigen Motoren, die ökologische- und soziale Nachhaltigkeit sowie Produkttransparenz die Determinanten der Biokraftstoffnutzung darstellen.
Zusätzlich zur Literaturrecherche wurde eine Online-Umfrage durchgeführt, die sowohl über E-Mail an ein convenience-sample, bestehend aus 294 Experten für Bioraffinerien und 243 nicht-Experten, gerichtet wurde als auch über die Internetpräsenz eines Automobilclubs (BAVC) und das soziale Onlinenetzwerk Facebook abrufbar war. Insgesamt haben 263 Teilnehmer mit gültigem Führerschein den Fragebogen vollständig ausgefüllt. Sie stellen somit die Stichprobe dar. Die gewonnen Ergebnisse sind im wissenschaftlichen Kontext nicht generalisierbar, haben aber einen indikativen Charakter. Der Fragebogen enthielt 44 geschlossene Fragen sowie die Möglichkeit alle drei Kraftstofftypen zu kommentieren. Zur Ergebnispräsentation wurde MS Excel 2007 genutzt, zur Analyse von Korrelationen und Rangkorrelationen sowie zum Erstellen von Kreuztabellen wurde SPSS, Version 15 herangezogen.
Konventionelle Biokraftstoffe und insbesondere deren ökologische und soziale Wirkung wurden insgesamt negativ bewertet. Die zugehörigen Kommentare enthielten überwiegend negative, jedoch differenzierte Anmerkungen. Unter Teilnehmern mit geringem Wissensstand über Biokraftstoffe wurden Biokraftstoffe auffallend häufig positiver bewertet. Maßgeblich entscheidend für oder gegen die Nutzung von Biokraftstoffen ist deren Motorenverträglichkeit. Diese ist essentiell für die Mobilität von Autofahrern verantwortlich und sollte nach Angaben einiger Teilnehmer vom Hersteller garantiert werden. Der Preis wurde als weitere Determinante identifiziert. Ein Preisvorteil wurde als häufigster Grund der Nutzung angegeben, wobei der Energiegehalt pro Liter Kraftstoff berücksichtigt werden muss. Die Reichweiter pro Liter Kraftstoff richtet sich maßgeblich nach Interdependenzen zwischen dem jeweiligen Motor, der Fahrweise und äußeren Einflüssen, z.B. den Straßenverhältnissen sowie dem Wetter und variiert somit individuell. Die Tankbereitschaft ist insbesondere hoch, wenn Biokraftstoffe als nachhaltig angesehen werden. Die Überzeugung dessen ist ausschlaggebend für die Bereitschaft einen Preiszuschlag zu zahlen. Diese Bereitschaft ist jedoch gering und kann vor allem sozial besser situierten Teilnehmern zugesprochen werden. Die Überarbeitung der gesetzlichen Nachhaltigkeitskriterien wir zudem gefordert. Sollten sich Biokraftstoffe im Anschluss als sozial und ökologisch nachhaltig erweisen, ist der Einsatz eines Labels vielversprechend um darauf hinzuweisen und das Vertrauen der Autofahrer zu steigern. Produkttransparenz könnte vor allem über die Berichterstattung in öffentlich-rechtlichen Medien gefördert werden.
Die Haltung gegenüber zukünftigen Biokraftstoffen ist überwiegend positiv. Biokraftstoffe auf Basis von Lignocellulose werden überwiegend als vielversprechend bewertet und deren Markteinführung befürwortet, insbesondere wenn Reststoffe wie z.B. Stroh genutzt werden. 91 % der Teilnehmer sind bereit Lignocellulose-Kraftstoffe zu nutzen. Die Motorenverträglichkeit sowie das gleiche Preisniveau im Vergleich zum fossilen Kraftstoff bleiben jedoch Grundvoraussetzung. Unter Annahme des gleichen Preis-Leistungsverhältnisses, würden 82 % diesen Kraftstofftyp dem fossilen Kraftstoff vorziehen sowie 94 % dem konventionellen Biokraftstoff. Gegenüber der nachhaltigen Nutzung von Holz als Rohstoff für die Biokraftstoffproduktion wurden Zweifel geäußert. Versorgungsengpässe aufgrund der dualen Nutzung des Rohstoffs Holz sind wahrscheinlich. Produkttransparenz wird daher vor allem in Bezug auf die soziale- und ökologische Nachhaltigkeit der eingesetzten Rohstoffe gefordert.
Das Akzeptanzniveau von Biokraftstoffen aus Algen wird geringer eingestuft, was vor allem auf Zweifel bzgl. der Nachhaltigkeit der Algenkultivierung zurückzuführen ist. Trotzdem wären 80 % der Teilnehmer bereit Algenkraftstoffe zu tanken. Der größte Anteil (41 %) würde bei Marktreife einen Verschnitt aus Lignocellulose- und Algenkraftstoffen befürworten. Für die Marktakzeptanz müssen ökologische Negativwirkungen jedoch ausgeschlossen- und Produkttransparenz gewährleistet werden. Zudem ist der Vertrieb zu gleichen Konditionen wie das fossile Äquivalent sowie das Aussprechen von Garantien für die Motorenverträglichkeit, seitens der Autohersteller, Grundvoraussetzung für die Marktakzeptanz. Die bestehende Infrastruktur sollte zudem genutzt werden um Umrüstungskosten zu vermeiden.
Die Schaffung dieser Bedingungen ist Aufgabe der zentralen Entscheidungsträger (Politik, Automobilindustrie, Medien, unabhängige Institutionen). Die Produkttransparenz kann insbesondere über die Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Medien gewährleistet werden. Bereits gewonnene Erfahrungswerte können maßgeblich zur erfolgreichen Markteinführung zukünftiger Biokraftstoffe beitragen.

: http://publica.fraunhofer.de/dokumente/N-216942.html