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Ein Verfahren zur situationsgerechten Gestaltung der Bevorratungsebene in einer variantenreichen Serienproduktion

 
: Kirchner, S.

Heimsheim: Jost-Jetter Verlag, 2004, 201 S.
Zugl.: Stuttgart, Univ., Diss., 2004
IPA-IAO Forschung und Praxis, 396
ISBN: 3-936947-31-7
Deutsch
Dissertation
Fraunhofer IPA ()
Bevorratungsebene; Planungsverfahren; Variantenvielfalt; Variantenmanagement; Fertigungssystem

Abstract
Häufige und schnelle Veränderungen des Unternehmensumfeldes sowie globaler intensiver Wettbewerb verlangen eine häufigere Anpassung und Umplanung von Produktionssystemen auf einem hohen Planungsgüteniveau, um in der Nähe des in der jeweiligen Situation möglichen Optimums, also situationsgerecht, zu produzieren. In diesem oft als turbulent bezeichneten Umfeld erweist sich die Bevorratungsebene als wichtiger Stellhebel für eine ökonomisch gerechtfertigte Balance zwischen den Marktanforderungen und den bereitzustellenden Fähigkeiten eines Produktionssystems.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung benötigt der Logistikplaner aufgrund der Komplexität des Planungsgegenstandes eine effiziente Entscheidungsunterstützung zur Konfiguration der Bevorratungsebene. Neben der Bevorratungsebene i.e.S. gilt es hierbei, auch weitere notwendige Lagerstufen gleichzeitig zu planen mit dem Ziel einer Verbesserung und Synchronisation über die gesamte Wertschöpfungskette. Unter Einbezug aller relevanten Einflussgrößen sind die Position und die Höhe aller Lagerstufen in einem Produktionssystem vor dem Hintergrund einer hohen Wirtschaftlichkeit und einer angemessenen logistischen Leistungsfähigkeit festzulegen. Gegenstand dieser Arbeit ist daher ein Verfahren für eine situationsgerechte Gestaltung der Bevorratungsebene in der variantenreichen Serienproduktion.
Als Grundlage für die Entwicklung des neuartigen Verfahrens identifiziert die Arbeit zunächst die Stell-, Einfluss- und Zielgrößen der Bevorratungsebene und stellt mit diesen Elementen ein Kausalmodell auf. Die qualitativ untersuchten Zusammenhänge werden in logistische Gestaltungsleitsätze fundamentiert, die dem Lostikplaner bereits eine erste Hilfestellung zur Überprüfung und Neukonfiguration der Bevorratungsebene geben.
Darauf aufbauend wird die Grundstruktur des Verfahrens entwickelt, welches die prinzipiellen Schritte im Ablauf einer Entscheidungsfindung als Optimierungskreislauf nachbildet (4 Teilmodelle) sowie alle Zusammenhänge quantifiziert abbildet: Aufgestellte Alternativkonfigurationen der Bevorratungsebene werden an einem generischen Simulationsabbild eines Produktionssystems getestet und anhand ökonomischer und logistischer Zielkriterien bewertet. Eine Heuristik erzeugt neue Konfigurationen aus den bereits bewerteten Konfigurationen auf Basis eines evolutionären Ansatzes. Zur Berücksichtigung der Auswirkung einer veränderten Bevorratungsebene auf die Gestaltung der operativen Produktionplanung und -steuerung adaptiert das Verfahren bei jedem Durchlauf die betroffenen Dispositionsparameter automatisiert und übergibt diese dem Simulationsmodell. Das entwickelte Verfahren bildet den Kern eines Verfahrensablaufs zur kontinuierlichen Überprüfung und Anpassung von Logistikstrukturen als Beitrag zur Steigerung der Wandlungsfähigkeit von Unternehmen.
Die Praxistauglichkeit des vorliegenden Verfahrens wird durch die prototypische Anwendung bei einem Hersteller für hydraulische Industriepumpen nachgewiesen. Neben der praktischen Validierung erfolgt eine theoretische Überprüfung des Verfahrens anhand der aufgestellten logistischen Leitsätze der Bevorratungsebenengestaltung.
Entgegen der herkömmlichen Vorgehensweise segmentiert das Verfahren komplexe Produktionssysteme ganzheitlich durch die Positionierung sinnvoller Lagerebenen und erteilt eindeutige Vorschläge für alle relevanten Entscheidungsvariablen der Bevorratungsebene. Durch die dynamische Abbildung des Produktionssystems erzielt das Verfahren eine hohe Planungsgüte und quantifiziert den Nutzen der Umstellung. Der durchgängige generische Ansatz reduziert den Planungsaufwand und erlaubt eine schnelle und einfache Adaption des Planungsmodells bei Änderung relevanter Einflussgößen. Das Verfahren stellt damit einen Schritt auf dem Weg zur Vision der adaptiven Lostistikstrukturen dar.

: http://publica.fraunhofer.de/dokumente/N-21079.html