Fraunhofer-Gesellschaft

Publica

Hier finden Sie wissenschaftliche Publikationen aus den Fraunhofer-Instituten.

Herausforderungen und Lösungsansätze zur Bestimmung der Logistikkosten in der Forstwirtschaft

 
: Ehrhardt, I.; Garrel, J. von

Sucky, E.:
Logistikmanagement. Herausforderungen, Chancen und Lösungen. A. Book of Abstracts : 7. Konferenz Logistikmanagement, vom 28. bis 30. September 2011 in Bamberg
Bamberg: University of Bamberg Press, 2011 (Schriftenreihe Logistik und Supply Chain Management)
ISSN: 2191-2424
URN: urn:nbn:de:bvb:473-opus-3418
S.134-136
Konferenz Logistikmanagement (LM) <7, 2011, Bamberg>
Deutsch
Abstract
Fraunhofer IFF ()

Abstract
Die Rohholzbereitstellungskette vom Wald in das Werk ist in Deutschland im Gegensatz zu skandinavischen Verhältnissen durch eine Vielzahl von Akteuren (Forstbetrieb, forstliche Dienstleister, Holztransporteure sowie holzverarbeitende Industrie) gekennzeichnet. Während der Prozess der Bereitstellung des Holzes in Skandinavien weitgehend optimiert ist, da Forst flächen, Transportlogistik und die holzverarbeitenden Werke überwiegend in einer Hand liegen, sind in vergleichbaren Versorgungsprozessen eines einzelnen Werkes unter deutschen Bedingungen nicht selten mehr als 100 Akteure involviert und entsprechend viele Schnittstellen zu überwinden. Ausgehend von der Erkenntnis, dass eine Vielzahl von Schnittstellen einen wesentlichen Einflussfaktor auf die effiziente Gestaltung der logistischen Prozesse darstellt, wird in Deutschland seit mehreren Jahren an Lösungen zur Optimierung der Prozesskette gearbeitet. Die Standardisierung von elektronischen Schnittstellen für eine verbesserte Kommunikation, Kooperation und Koordination ist in diesem Zusammenhang nur ein Umsetzungsbeispiel. Dabei geht die Umsetzung des elektronischen Datenaustausches allerdings insgesamt nur schleppend voran. Ein Grund dafür ist die zum Teil auch heute noch mangelhafte IT-Ausstattung der Prozessbeteiligten. Neben vielen weiteren Gründen ist jedoch auch der für das Einzelunternehmen entstehende (monetäre) Nutzen, der sich aus einer Standardisierung oder auch dem Abbau von Schnittstellen ergibt, derzeit nicht quantifizierbar. So agieren die Akteure im forstlichen Bereich gegenwärtig ausschließlich anhand einzelwirtschaftlicher Kalküle und nicht im Sinne der gesamten unternehmensübergreifenden Wertschöpfung. Wechselwirkungen und Einflussfaktoren zwischen den Aktivitäten der Akteure, die resultierenden Folgen für Wirtschaftlichkeit und Effizienz unternehmensinterner und -übergreifender Prozesse sind somit weder in vollem Umfang bekannt, noch werden diese im geschäftlichen Alltag entsprechend berücksichtigt. Bei der Betrachtung der mit der Vielzahl von Schnittstellen verbundenen Problematiken nicht nur unter dem Aspekt des Daten- und Informationsaustausches, sondern unter dem erweiterten Gesichtspunkt der Prozesskosten, wird deutlich, dass eine Ermittlung der realen Gesamtkosten für den Holzbereitstellungsprozess gerade unter den in der deutschen Forstwirtschaft herrschenden Bedingungen derzeit nicht möglich ist.
Zu begründen ist dies unter anderem durch den Umstand, dass durch komplexe Auftraggeber-Auftragnehmer-Beziehungen jeweils nur angebotene Kosten für einzelne Prozessschritte bekannt sind. Beauftragende Unternehmen wälzen im Einzelfall damit nicht nur auftretende Probleme sondern auch (finanzielle) Risiken auf ihre Dienstleister (forstliche Dienstleister und Transporteure) ab. Diese durchaus marktübliche Vorgehensweise führt in den mit besonderen Spezifika verbundenen Logistikprozessen der deutschen Forstwirtschaft jedoch dazu, dass (1) das wirtschaftliche Überleben der Dienstleister zunehmend in Gefahr gerät, (2) (Kosten-)Optimierungspotenziale in der Holzbereitstellung kalkulatorisch nur schwer nachweisbar sind und (3) reale Holzbereitstellungskosten nicht bekannt sind. Das Defizit in der Kostenermittlung besteht dabei nicht in der Verfügbarkeit von Kennzahlen und -größen zur Ermittlung direkter Prozesskosten (z.B. Maschinenstundensätze, Personalkosten, …), sondern vielmehr in Parametern zur Ermittlung indirekter Kosten. Zu diesen Kosten, die i.d.R. nicht direkt einem speziellen Holzernte- oder Holztransportprozess zugeordnet werden können, zählen z.B. neben Organisations- und Verwaltungskosten auch Kosten für Maßnahmen zur Risikominimierung bei den einzelnen Akteuren. Ausgehend von der Notwendigkeit, dass für eine ökonomische und ökologische Wertschöpfungsoptimierung des Rohholzes eine ganzheitlichen Betrachtung der Kosten entlang der gesamten Holzbereitstellungskette erforderlich ist, arbeitet das Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung (IFF) in Magdeburg in enger Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern an Grundlagen und Methoden zur Logistikkostenermittlung für die Forstwirtschaft. Der vorliegende Beitrag stellt basierend auf diesen Arbeiten einerseits die Ergebnisse unterschiedlicher Studien vor, die die Situation und das Agieren der Dienstleister in der Holzbereitstellungkette untersuchen.
Andererseits geht der Beitrag darauf ein, wie im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit auf Basis der identifizierten IST-Zustände adäquate Modelle zur Prognose der unternehmensübergreifenden Gesamt-Logistikkosten erarbeitet wurden. Dabei wird das Hauptaugenmerk darauf gerichtet, welche Ansätze zur Prognose indirekter Kosten erarbeitet wurden. Diese Komponenten sollen künftig bereits entwickelte Lösungsansätze zur Ermittlung direkter Kosten für Holzernte und -bereitstellung der Verbund-Partnerländer Schweden und Finnland ergänzen.

: http://publica.fraunhofer.de/dokumente/N-206127.html