Fraunhofer-Gesellschaft

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Moderation von Forschungs- und Technologiepolitik? Evaluationsverfahren als "reflexives" Medium

 
: Kuhlmann, S.

Martinsen, R.; Simonis, G.:
Demokratie und Technik - (k)eine Wahlverwandtschaft?
Opladen: Leske und Budrich, 2000
ISBN: 3-8100-2473-2
S.305-334
Deutsch
Aufsatz in Buch
Fraunhofer ISI ()
evaluation; Forschungspolitik; Innovation; Akteur; organisatorischer Wandel; Handlungsspielraum; Technologiepolitik

Abstract
"Angesichts konkurrierender Rationalitäten und Problemperzeptionen gesellschaftlicher Teilsysteme bei gleichzeitiger Globalisierung sozio-ökonomischer Problemlagen drohen etablierte und erprobte Konsensmechanismen in nationalen oder lokalen politischen Arenen zu versagen; Akteure vertreten nicht mehr nur unterschiedliche Interessen und Ansichten, sondern betten diese außerdem in voneinander völlig abweichende Wirklichkeitsinterpretationen und entsprechende institutionelle Strukturen (frames) ein: Unter solchen Bedingungen können politische Konflikte in eine Sackgasse geraten, sie werden zu 'intractable policy controversies' (Schon/Rein 1994). Können Evaluationsverfahren als 'Moderationsmedium' zum reframing, d.h. zur reflexiven Neuorientierung institutionell präformierter Akteurperspektiven beitragen? Wenn sie dies zu leisten vermögen, dann können Evaluationsverfahren als Element politischer Modernisierung gelten. 'Politikmoderation' nenne ich in diesem Zusammenhang die zielgerichtete Vorbereitung und Beeinflussung (nicht unidirektionale Steuerung!) forschungs- und technologiepolitischer Gestaltungs- und Entscheidungsprozesse durch politisch-administrative Akteure. Ich werde theoretisch und mit bezug auf eigene empirische Studien diskutieren, welchen Stellenwert analytische Verfahren der Bewertung staatlicher Programme und sonstiger Interventionen bei der 'Politikmoderation' in administrativen und korporatistischen Verhandlungssystemen einnehmen können. Als Verfahren der Policy-Bewertung werden dabei 'Evaluationsverfahren' im Mittelpunkt stehen, wie sie in den USA seit den sechziger Jahren, in Deutschland seit den achtziger Jahren zunehmend vom politisch-administrativen System initiiert wurden. Sie entstanden im amerikanischen Kontext der Verwissenschaftlichung des Politik-Machens, die zunächst in den Feldern der Sozial-, Bildungs- und Wirtschaftspolitik Verbreitung fand und die später auch im Bereich der Forschungs- und Technologiepolitik Wurzeln faßte. Die Verwendung von Evaluationsverfahren als Moderationsmedium konnte eine 'reflexive Wende' gegenüber älteren, naiv-rationalistischen Konzepten politischer Initiativen bezeichnen. Der Beitrag wird diese Überlegungen anhand einiger Beispiele aus der Forschungs- und Innovationspolitik diskutieren."

: http://publica.fraunhofer.de/dokumente/N-1815.html