Fraunhofer-Gesellschaft

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Der Deutsche Bundestag braucht eigenständige Technikbewertung in Form von integrativer "Technikfolgen-Abschätzung und -Bewertung". 10 Thesen

 
: Krupp, H.

Rapp, F.; Mai, M.:
Institutionen der Technikbewertung. Standpunkte aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Vorträge und Diskussionen
Düsseldorf: VDI-Verlag, 1989 (Der Ingenieur in Beruf und Gesellschaft)
ISBN: 3-18-400878-9
pp.110-123
German
Book Article
Fraunhofer ISI ()
bemannte Raumfahrt; Technikbewertung; Technologiepolitik; Weltraumrüstung

Abstract
Die Bundesrepublik läuft Gefahr, sich durch die bemannte Raumfahrt an der Weltraumrüstung zu beteiligen. Wie die amerikanische Entwicklung vom "Mann auf den Mond" bis zu SDI zeigt, wird die bemannte Raumfahrt voraussichtlich entscheidende Beiträge zur Weltraumrüstung liefern, insbesondere zur Montage und Wartung der aufwendigen raumgestützten Infrastruktur und Bewaffnung. Ein bundesdeutscher Verzicht auf bemannte Raumfahrt würde dem gegenwärtigen Zeitgeist der Rüstungsbegrenzung gerecht. Er entspricht auch geostrategischer Vernunft, da unser Land für eine "raumgreifende" Kriegführung zu klein ist. Blockübergreifende Kooperationsverträge für die unbemannte Raumfahrt oder, falls es bei bemannten Raumfahrtprojekten bleibt, auch für diese, erlaubten nicht nur Kostenminderung, sondern wären nützliche politische Signale. Im Laufe der kommenden Jahrzehnte oder in einem Jahrhundert kann sich manche heutige Kosten-/Nutzen-Abschätzung als korrekturbedürftig erweisen. So haben seriöse amerikanisc he Kostenabeschätzungen ergeben, daß ein weltraumgestütztes Solarkraftwerk - abgesehen von gravierenden Risiken und nur etwa 30% günstigerer Solarkonstante - voraussichtlich um eine Größenordnung tuerer würde als vergleichbare irdische Kraftwerke. Sollte sich aber diese Einschätzung in späteren Jahrzehnten oder in einem Jahrhundert aus unvorhergesehenen Gründen ändern, ist es rentabel, erst dann mit entsprechenden Projekten zu beginnen. Vorher möge uns eine breit gefächerte kosteneffiziente Technologiepolitik auf dem hohen wissenschaftlich-technischen Allgemeinstand halten, über den wir gegenwärtig verfügen, so wir kosten- und sacheffiziente Wettbewerbschancen behalten. In der Bundesrepbulik ist die öffentliche Diskussion über die Technologiepolitik unterentwickelt, insbesondere im Vergleich zu den USA, wo sich nicht nur die Medien, sondern insondern auch Berufsverbände und wissenschaftliche Akademien zu Wort melden und gehört werden.

: http://publica.fraunhofer.de/documents/PX-9522.html