Fraunhofer-Gesellschaft

Publica

Hier finden Sie wissenschaftliche Publikationen aus den Fraunhofer-Instituten.

Keramische Koagulationsspitze. Eine neue Therapieoption zur Behandlung von Hochrisikopatienten mit symptomatischer Prostatahyperplasie

 
: Lindner, H.; Zermann, D.-H.; Eberhardt, R.; Herold, V.; Bürger, S.; Schubert, J.

Biomedizinische Technik 41 (1996), Ergänzungsband 1, pp.488
ISSN: 0013-5585
ISSN: 1862-278X
Südwestdeutsche Gesellschaft für Urologie (Tagung) <37, 1996, Karlsruhe>
German
Conference Paper
Fraunhofer IOF ()
direkt beheizbare keramische Koagulationsspitze; keramischer Koagulationsapplikator; Koagulation; symptomatische Prostatahyperplasie

Abstract
In den letzten Jahren wurden eine Vielzahl von Alternativverfahren zur Therapie der symptomatischen Prostatahyperplasie propagiert. Problematisch ist und bleibt die Behandlung von Hochrisikopatienten. Es wurde eine direkt beheizbare keramische Koagulationsspitze aus dem Werkstoff Al203-TiC entwickelt. Dieser bietet folgende Eigenschaften: relativ hohe Bruchzähigkeit (4-5Mpa m(hoch 1/2), hohe Wärmeleitfähigkeit (20W/mK), gute technologische Bearbeitbarkeit. Damit ergeben sich gegenüber herkömmlichen Materialien deutliche Vorteile: Bruchsicherheit des transurethralen interstititiell einzusetzenden Materials, hohe Oberflächengüte (Gewebeadhäsion vermindert), geringerer Energieaufwand. Die Abmessungen der Keramikspitze mit einer Länge von 20 mm und einem Durchmesser von 1,9mm wurden entsprechend der Quarzglaskappe für die interstitielle Thermotherapie mit dem Nd-YAG-Laser gewählt, um das vorhandene Instrumentarium weiter nutzen zu können, und um beide Methoden besser vergleichen zu können. Die Bearbeitung von Dispersionskeramiken in solchen Abmessungen war eine Herausforderung an das Entwicklerteam. Die Wärmeapplikation erfolgt mikrorechnergesteuert über einen geschlossenen Regelkreis, um die Gefahr der Überhitzung zu vermeiden. Das Therapieprogramm kann vom Therapeuten individuell für jeden Patienten festgelegt werden. Die Therapieplanung erfolgt zum einen durch eine mathematische Simulation des Aufheizvorganges mittels eines finite-Elemente Programmes und zum anderen durch die Überprüfung dieser Resultate anhand von in-vitro Untersuchungen an unterschiedlichen biologischen Gewebe. Es erfolgten jeweils zehn Messungen an frischen Prostatektomiepräparaten, Kartoffelgewebe und Schweinemuskelpräparaten. Die Ausdehnung der Koagulationszone, welche 60 Grad C Isothermen entspricht, wurde makroskopisch beurteilt, ausgemessen und gemittelt. Parallel wurde ein Vergleich der Keramikspitze mit der ITT-Lasertherapie realisiert. Folgende Ergebnisse wurden erzielt: sicher prospektiv planbare Koagulationszonen, Koagulationvolumen von ITT mittels Laser und Keramikspitze bei deutlich besserem Wirkungsgrad letzterer ungefähr gleich. Entgegen dem Volumenwachstum bei Lasertherapie erfolgt mit der keramischen Heizspitze eine relativ lineare Volumenzunahme. Außerdem ist ein stärkerer Unterschied zwischen den Geweben feststellbar. Die unterschiedlichen zeitlichen Verläufe beim Aufheizen ergeben sich aus den unterschiedlichen physikalischen Wirkprinzipien. Die Bedien- und Ansteuereinheit kann kompakt gestaltet und effektiv hergestellt werden. Nach Zusammenschau aller erhobenen Daten erscheint das neu entwickelte Verfahren zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie mittels einer Keramikspitze aus wirtschaftlicher, technologischer und medizinischer Sicht ein erfolgversprechender Ansatz zu sein. Prospektive klinische Untersuchungsreihen werden die Effizienz der Methode prüfen.

: http://publica.fraunhofer.de/documents/PX-20404.html