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Stahl-Kreisläufe. Stahl als Enabler der Kreislaufwirtschaft aus der Perspektive der Haushalte in Deutschland

 
: Pothen, Frank; Growitsch, Christian

:
Fulltext (PDF; )

Halle: Fraunhofer IMWS, 2019, 47 pp.
German
Study, Electronic Publication
Fraunhofer IMWS ()

Abstract
Stahl ist der wichtigste metallische Werkstoff der Weltwirtschaft. Er wird in den Wertschöpfungsketten nahezu aller Güter des Alltags benötigt, selbst wenn er im Endprodukt nicht enthalten ist. Als langlebiges, korrosionsbeständiges und unbegrenzt recycelbares Material ist Stahl prädestiniert als Werkstoff der Kreislaufwirtschaft. Diese Studie verknüpft diese Eigenschaften des Stahls: Sie analysiert die Rolle von Stahl als Enabler und Produkt der Kreislaufwirtschaft aus der Perspektive von Haushalten in Deutschland.
Die Studie führt den Indikator »Stahlintensität des Konsums« ein. Dieser quantifiziert den Stahleinsatz, der zur Fertigung des privaten Konsums notwendig ist, über die gesamten Wertschöpfungsketten hinweg. Zwischen 1995 und 2015 lag die Stahlintensität des Konsums in Deutschland bei durchschnittlich 179,3 kg pro Einwohner und Jahr. Somit wurden in jedem Jahr etwa 180 kg Stahl eingesetzt, um die Konsumgüter des Durchschnittsbürgers zu fertigen. Dies entspräche einer Stahlkugel mit einem Durchmesser von 35,2 cm. Werden Konsum- und Investitionstätigkeit der öffentlichen Hand hinzuaddiert, steigt die Stahlintensität des Konsums auf 237,3 kg. Die Verteilung der Stahlintensität des Konsums zwischen den Haushalten ist relativ gleichmäßig.
Mehr als die Hälfte der Stahlintensität des Konsums sind mit dem Kauf und Betrieb von Fahrzeugen sowie dem Wohnen (Immobilien) verbunden. Für die Fertigung eines durchschnittlichen Automobils wurden, entlang der Wertschöpfungskette, 1.605 kg Stahl eingesetzt. Auch in der Herstellung anderer Güter kommt Stahl zum Einsatz. Pro Einwohner und Jahr wurden zwischen 1995 und 2015 durchschnittlich 8,3 kg Stahl für die Nahrungsmittelherstellung sowie 1,8 kg für Produkte und Dienstleistungen zur Körperpflege benötigt.
In Deutschland gefertigter Stahl geht in immer globalere Wertschöpfungsketten ein. Im Jahr 1995 wurden 60,7% der deutschen Stahlproduktion zur Fertigung von Gütern eingesetzt, die ihre letzte Verwendung im Ausland fanden. Im Jahr 2015 ist dieser Wert auf 80,2% angestiegen.
Mit der Stahlintensität des Konsums deutscher Haushalte waren CO2-Emissionen in Höhe von 276,4 kg pro Einwohner und Jahr verbunden. Gleichzeitig hat die Stahlindustrie durch den Einsatz kreislaufwirtschaftlicher Konzepte Emissionen vermieden und Ressourcen geschont. Durch das Recycling von Stahlschrotten wurden zwischen 2011 und 2015 pro Einwohner und Jahr Kohlenstoffdioxidemissionen in Höhe von 117,4 kg vermieden sowie Eisenerzinputs von 75,9 kg eingespart. Während die deutsche Stahlindustrie in diesem Zeitraum 23,7% der inländischen Stahlintensität des Konsums produziert hat, zeichnete sie für 28,0% der durch Recycling vermiedenen Umweltbelastungen verantwortlich. Sie vermied also durch den Einsatz von Stahlschrotten überproportional Emissionen und Rohstoffeinsätze. Darüber hinaus dient Stahl als Input in die Herstellung weiterer Werkstoffe wie Glas und Papier, wo er zu hohen Recyclingraten beiträgt.
Illustrative Simulationen deuten an, dass die Langlebigkeit des Werkstoffs Stahl durch eine verstärkte Wiederverwendung und Refabrikation stahlintensiver Produkte besser ausgenutzt werden könnte. So könnten zusätzliche Emissionseinsparungen erreicht werden. Weitere Forschung ist notwendig, um Technologien, Rahmenbedingungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln, mit denen diese weiteren Potentiale der Kreislaufwirtschaft gehoben werden können.

: http://publica.fraunhofer.de/documents/N-585567.html