Fraunhofer-Gesellschaft

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Vergleich von Verpackungssystemen für frisches Obst und Gemüse

Fraunhofer-IML untersuchte die Lieferketten in mehreren europäischen Ländern - mit aufschlussreichen Ergebnissen und Empfehlungen für die Praxis
 
: Hoffmann, J.; Wagner, M.
: Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik -IML-, Dortmund

Dortmund, 2006, 21 pp.
German
Study
Fraunhofer IML ()
Verpackung; Obst; Gemüse

Abstract
Betrachtet man den Einkaufsprozess von frischem Obst und Gemüse in Handelsunternehmen in Europa, spielt die Frage nach der Transportverpackung (TPV) immer noch eine untergeordnete Rolle. Maßgeblich entscheidend in diesem Prozess ist der Preis der Ware, die häufig als verpacktes Gut frei Rampe, d.h. direkt in Verbindung mit einer TPV angeboten wird. Dieses Vorgehen begünstigt eine Entscheidung zum Einkauf von Waren in gänzlich unterschiedlichen Verpackungen - und damit die Realisierung von vermeintlichen Einsparungen durch niedrigere Einstandspreise von Verpackungen - zu Lasten der Berücksichtigung des Systemgedankens der Verpackung entlang der gesamten Supply Chain.
Dies führt unter anderem dazu, dass unterschiedlichste Verpackungslösungen in der Distribution eingesetzt werden: Beim Gang durch Supermärkte mag der geneigte Kunde den Eindruck gewinnen, dass mit dem steigenden Angebot an Produkten gleichermaßen auch eine ungeahnte Vielfalt an Transportverpackungen einhergeht. Die eingesetzten Verpackungen unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihrer Abmaße in Länge, Breite und Höhe, sondern auch in den benutzten Verpackungsmaterialien. Neben gemieteten und eigenen Mehrwegsystemen wird eine Vielzahl von Einweglösungen aus Holz, Voll- und Wellpappe genutzt. Plakativ ausgedrückt, lassen sich neben den Pilzen in anmutig wirkenden kleinen Holzkörben Zucchini in grauen Wellpappkisten finden. Selbst in den Fällen einer einheitlichen Verkaufspräsentation in zumeist Mehrwegsteigen zeugen unzählige Umpackvorgänge von Filialmitarbeitern, sowie Ladungsträger beladen mit notdürftig zusammengefalteten leeren Einwegverpackungen - in der Regel zu Stoßzeiten - von logistischen Ineffizienzen.
Dieser Variantenreichtum an Verkaufsverpackungen verursacht nicht nur die skizzierten Effekte in der Filiale, sondern beeinflusst und vermindert vielmehr die Effizienz der logistischen Leistungserbringung über die gesamte Lieferkette - beginnend beim Erzeuger über das Zentrallager des Handels und den Point-of-Sale (POS) bis hin zur Entsorgung von Einwegsteigen bzw. der Retournierung von Mehrwegsteigen. Insbesondere mangelnde Kompatibilität der eingesetzten Verpackungen untereinander hinsichtlich ihrer Abmaße - Missachtung der Modularität - und ihrer Stapelbarkeit ist Ausdruck eines fehlenden standardisierten Verpackungssystems des Handels. Die Auswirkungen führen zu drastisch reduzierten Nutzvolumen auf Ladungsträgern, hohen Bruchquoten sowie erhöhtem Aufwand bei dem manuellen Handling, um an dieser Stelle nur einige Aspekte zu nennen.
Vor diesem Hintergrund werden in dem vorliegenden Beitrag die grundlegenden Auswirkungen und Effekte von Verpackungsentscheidungen entlang von Lieferketten vorgestellt und es wird aufgezeigt, wie eine ökonomisch rationale Verpackungsentscheidung zu treffen ist. Daran anschließend werden Ergebnisse von zahlreichen Studien der vergangenen Jahre des Fraunhofer IML vorgestellt.

: http://publica.fraunhofer.de/documents/N-46338.html