Fraunhofer-Gesellschaft

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Retrospektive Untersuchung aquatischer Organismen auf Organozinnverbindungen - Belastungsniveaus und Trends

 
: Radermacher, Georg
: Karst, Uwe; Hayen, Heiko; Knopf, Burkhard

Münster, 2015, 104 pp.
Münster, Univ., Dipl.-Arb., 2015
German
Thesis
Fraunhofer IME ()

Abstract
In dieser Arbeit konnte die im Fraunhofer IME für die Bestimmung von Butylzinngehalten verwendete Methode (GC/SF-ICP-Kopplung) erfolgreich auf einem neuen Messsystem (GC/Quadrupol-ICP-MS) adaptiert werden. Dieses Messsystem wurde anschließend zur Bestimmung der Butylzinngehalte in Biotaproben verwendet. Es wurden je drei Zeitreihen von Aalmuttermuskulatur und dem Weichkörper der Miesmuschel aus Nord- und Ostsee sowie neun Zeitreihen von Brassenmuskulatur aus unterschiedlichen deutschen Flüssen bis 2013 erweitert. Für alle Probenahmeflächen in Nord- und Ostsee konnte nach dem vollständigen TBT-Verbot ab 2003 ein Rückgang der TBT-Konzentrationen in den Biotaproben nachgewiesen werden. Die gleiche Entwicklung wurde mit einer Verzögerung von ein bis zwei Jahren auch für die Brassenmuskulatur aus den untersuchten Flussgebieten beobachtet. Somit kann zusammenfassend festgehalten werden, dass die Schifffahrt einen großen Teil zu dem TBT-Eintrag in aquatische Systeme beiträgt. Zudem zeigen die Zeitreihen, dass die Maßnahme, Tributylzinnverbindungen als Antifouling-Mittel für Schiffe zu verbieten, eine Verbesserung der Wasserqualität bezüglich der BZV-Belastung bewirkt hat. Neben der Schifffahrt gibt es besonders bei Flüssen weitere Faktoren, die für den TBTEintrag in Gewässer verantwortlich sein können. Zum Beispiel werden in der Saale und der Mulde, die im Einflussgebiet der Industrieregion Leipzig/Halle/Bitterfeld und alten Bergbauund Braunkohletagebauen liegen, höhere BZV-Konzentrationen gefunden als in den anderen untersuchten Flüssen. Des Weiteren hat die Auswertung der Zeitreihen der Brassenmuskulatur gezeigt, dass in Flüssen durchaus kurzzeitige Anstiege des TBT-Gehalts auftreten. Obwohl die Herkunft des Tributylzinns nicht mehr nachzuvollziehen ist, wird beobachtet, dass solche einmaligen Ereignisse keine langfristigen Belastungen für die untersuchten Organismen zur Folge haben.

: http://publica.fraunhofer.de/documents/N-426074.html