Fraunhofer-Gesellschaft

Publica

Hier finden Sie wissenschaftliche Publikationen aus den Fraunhofer-Instituten.

Abschlussbericht QUASAR: Integrierte Qualitätssicherung und Anforderungsanalyse zur Softwareentwicklung im Umfeld Fahrzeug

 
: Paech, B.; Santen, T.; Schlingloff, H.

:
urn:nbn:de:0011-n-215843 (794 KByte PDF)
MD5 Fingerprint: 7fe9f528b956e79b0c376001305fc27b
Created on: 21.07.2004


Kaiserslautern, 2004, V, 24 pp. : Ill., Lit.
IESE-Report, 063.04/D
Reportnr.: 063.04/D
German
Report, Electronic Publication
Fraunhofer IESE ()
QUASAR; quality assurance; Requirements analysis; control unit

Abstract
Im Umfeld der Fahrzeugentwicklung gewinnt Softwareentwicklung eine immer größere Bedeutung. In Automobilen der neuesten Generation werden bis zu 80 Steuergeräte eingesetzt, oft mit kritischer Funktionalität wie z.B. ABS oder Motorsteuerung. Die Komplexität dieser Softwarefunktionalität wird insbesondere in der Komplexität der Anforderungsphase deutlich: (1) Anforderungsdokumente, die Autohersteller an ihre Zulieferer geben, sind oft mehrere hundert Seiten lang. (2) An der Anforderungsbeschreibung arbeiten viele Personengruppen mit unterschiedlichen Erfahrungshintergründen zusammen: z.B. Marketing, Softwareentwickler, Hardwareentwickler und Ingenieure. (3) Während und nach Fertigstellung der Anforderungsdokumente treten viele Änderungen auf. Die Komplexität der Anforderungsphase beeinträchtigt die gesamten Entwicklungsprozesse aufgrund entstehender Missverständnisse, falscher oder unvollständiger Funktionalität und hohem Aufwand für Änderungen und Fehlerbehebung.

Interviews bei DaimlerChrysler, die am Anfang des Projektes durchgeführt wurden, ergaben insbesondere folgende Anforderungen an Anforderungsspezifikation (AS), Qualitätssicherung (QS) und Änderungsmanagement (ÄM):
- Systematischere Erstellung des Lastenhefts;
- Trennung von System- und Softwarebeschreibung, z.B. in Systemheft (Funktionsbeschreibung), Gesamtarchitektur, Softwarearchitektur;
- Klareres Zusammenspiel zwischen Lastenheft und Pflichtenheft;
- Verwendung von Benutzerszenarien, Kontextdiagrammen und Blockschaltbild im Lastenheft;
- Bessere und effizientere Reviews;
- QS-Schwerpunkt nicht allein auf Testen;
- Systematische Ableitung von Testfällen aus Anforderungen;
- Bessere Simulationsmodelle;
- Automatische Testdurchführung als Hardware-in-the-Loop;
- Genauere Abschätzung der Kosten und effizientere Durchführung von Änderungen;
- Lokale Änderungen, Priorisierung bei Änderungen;
- Anpassbarkeit des Prozesses;
- Klare methodische Vorgaben für die einzelnen Rollen.

Das Ziel des Projektes QUASAR

Die Arbeiten wurden kontinuierlich auf die Bedürfnisse industrieller Entwicklung überprüft und angepasst. Dabei standen insbesondere die folgenden Rahmenbedingungen im Vordergrund:
- Detaillierte Beschreibung der methodischen Schritte: Forschungsergebnisse sind in den Veröffentlichungen oft nur ausschnitthaft beschrieben. Für eine praktische Verwendung durch Dritte ist aber eine detaillierte und ausführliche Beschreibung notwendig.
- Werkzeugunterstützung: Anforderungsdokumente realistischer Größe sind nur mit Hilfe von Werkzeugen effizient zu erstellen und zu verwalten. Dies umfasst sowohl Modellierungswerkzeuge als auch Anforderungsmanagementwerkzeuge. Auch Qualitätssicherung für solche Dokumente benötigt Werkzeugunterstützung, z.B. zur Erstellung der Testspezifikation oder Testfallableitung.
- Anwendung an einem durchgängigen Beispiel aus der Praxis: Die Komplexität der Fragestellung wird erst deutlich bei der Anwendung auf ein Praxisbeispiel. Weiterhin ist es wichtig, alle Schritte an dem gleichen Beispiel durchzuführen, da erst dann deutlich wird, ob die Ergebnisse durchgängig verwendet werden können.
- Verwertbarkeit von Einzelergebnissen: Der durchgängigen Anwendung neuer Methoden steht oft die Schwerfälligkeit von Organisationen entgegen. Deshalb muss es möglich sein, auch Einzelergebnisse einzusetzen, ohne die gesamte Methodik anzuwenden.
- Kosten/Nutzenverhältnis: Der Aufwand in der Anforderungsphase wird oft besonders kritisch eingeschätzt, da sich dadurch scheinbar die Zeit für die Realisierung verkürzt. Es ist deshalb wichtig, nachzuweisen, dass die Methodik nicht den Aufwand gegenüber traditioneller Entwicklung erhöht, sondern insgesamt bessere Qualität bei höchstens unvermindertem Aufwand ermöglicht.

: http://publica.fraunhofer.de/documents/N-21584.html